Denken, Lesen und Schreiben sind dialogische Praktiken. Dieser Dialog setzt voraus, dass er von allen immer geteilt werden können muss. Unter dieser Voraussetzung sollen alle Auseinandersetzungen geführt, Argumente kritisiert und Voraussetzungen geprüft werden. Nur anhand dieser andauernden Infragestellung kann sich die Aufmerksamkeit auf die Voraussetzung des immer schon geteilten Logos er- und beweisen. In der Kommentarfunktion freuen wir uns dementsprechend immer über ernsthafte Fragen, begründete Einwände und sachkundige Anmerkungen. Jeder Diskussionsteilnehmer hat sich für seinem Logos allerdings stets zu verantworten und für dessen Voraussetzungen zu rechtfertigen. Jeder Versuch, diesen Anspruch selbst nach Aufforderung zu unterlaufen oder den Anspruch anderer Teilnehmer oder Teilnehmerinnen unter eigene dogmatische Prämissen zu stellen wird verwarnt und gegebenenfalls ausgeschlossen. Innerhalb einer Diskussion sind wir stets am Sachbezug, Argument, Gegenargument sowie ein einem Einwand, der einen höflichen Umgangston pflegt, interessiert.
Urs Schällibaum begreift den „Prozess der Philosophiegeschichte […] nicht so, dass irgendwann ein Philosoph, so groß er sein mag, alles Bisherige umstürzt. Keiner kehrt sich gegen den andern, sondern er nimmt irgendetwas an ihm auf und wendet es. Er entdeckt nicht irgendwo etwas Neues, sondern entdeckt an Vorhergehendem etwas. Er entdeckt auch nicht bloß eine Variante des Bisherigen. Wenn man ein Bild brauchen müsste: Wenn da ein Palast schon steht, baut der neue Philosoph weder einen neuen nebendran, noch reißt er den alten ab und stellt auf neuen Fundamenten einen andern hin, noch schmückt er die Zimmer mit Farbe, noch bessert er das Dach aus. Sondern er erweitert einen bestimmten Raum, nur einen, und vertieft ihn, aber so, dass dieser Raum zum neuen Fundament wird, und dann ist der ganze Palast vollständig räumlich gedreht und von diesem einen Raum aus umgebaut.“ (Macht und Möglichkeit, 87) In diesem Geiste begrüßen wir hier daher jeden Architekten und jede Architektin, jeden Kartenleser und jede Kartenleserin, jeden Spurenfolger und jede Spurenfolgerin, jeden Grenzgänger und jede Grenzgängerin, jeden Aspektsammler und jede Aspektsammlerin, jeden Begriffsjäger und Begriffsjägerin – kurzum: alle Flaneure in Textgebäuden. Bulldozer, Vorschlaghämmer und Kettensägen sind hier nicht willkommen.
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