stillstehender Quell setzt sich mit Denken, Lesen und Schreiben und dessen Verflechtungen in Texten auseinander. Es wagt den Versuch dieses Unumgreifbare auf unumgreifende Weise anzufalten. Dies setzt Offenheit voraus. Offenheit gegenüber der Bestimmtheit von Inhalten und Methologien, Gattungen und Formen sowie dessen jeweiligen Prämissen. Aus diesem Grund setzt dieses Projekt weder inhaltlichen Leitlinien oder Themen noch Schwerpunkte oder Interessen voraus. Wir möchten gerade nichts enthalten, sondern im Gegenteil Offenes sein lassen. Wir wollen nichts einholen, sondern ausholen; nichts abschließen, sondern auf- und erschließen. Diese Offenheit kann bedrohlich wirken, einen geradezu erschlagen. Gerade deswegen ist es schöner, wenn man sich ihr gemeinsam stellen kann, indem man einen Anfang macht, eine Linie zieht, ein Feld betritt, einen Nagel einschlägt, ein Holz verarbeitet, einen Einstieg sucht, einen Punkt ins Auge fasst, ein Buch aufschlägt, die Stimme anhebt, ein Gespräch beginnt, eine Frage stellt, einen Gedanken formuliert, einen Irrtum feststellt, eine Antwort sucht, einen Irrtum einsieht, einen Weg einschlägt, einen Pfad bestreitet, stolpert und weitergeht.
Der gewählte Begriff unseres Projekts stammt vom antiken Philosophen Plotin: „Ist nun ein Trachten und eine Betätigung in Hinsicht auf das höchste Gute gut, so darf das Gute nicht, indem es auf anderes hinblickt oder mehr nach einem anderen trachtet, sondern als ein stillestehender Quell, als ursprüngliches Wirken gemäß seiender Eigenwüchsigkeit, die Anderen gut machend, nicht gemäß Wirken in Bezug auf jedes – jedes vielmehr gemäß Ihm – nicht […] gemäß Wirken also und nicht gemäß Denken darf es das Gute sein, sondern gemäß dem Andauern. Denn weil es über das Seiende hinausragt, ragt es auch über das Bewirken und über den Nous und das Gedachtwerden hinaus.“ (Enneaden, I 7/53) Der stillstehende Quell soll die etwas paradoxe anmutende Struktur des Andauerns in einem Moment auf den Begriff bringen. Dieser Quell ist keine Grundstruktur für Alles, kein transzendenter Bezugspunkt und erst recht keine Sache, sondern ein Phänomen, das sich zunächst einmal ganz empirisch, also konkret in bestimmten Verhältnissen finden und beschreiben lässt. Er soll nicht einmal als Leitthema dieses Projektes dienen, sondern vielmehr sein philosophisches Ethos begründen. Eine Aufforderung zur Disziplin, Strenge und Aufmerksamkeit, die sich darin in Anderem wiederfinden kann. Damit wäre ein Postulat von stillstehenderQuell benannt: Freude an und mit Texten in und an diesen Texten selbst – Freude über einen Zusammenhang, den man neu und zugleich immer schon entdecken kann – als Quell des Andauerns dieser Erfahrung als Gemeinsames.
Da dieses Forum, wie bereits erwähnt, keine Themen und Schwerpunkte hat, fühlt es sich mit ihren Beiträgen in erster Linie einer Tradition der platonischen Dialektik verpflichtet: jener Praxis des Denkens und Wahrnehmens seiner inhaltlichen und operativen Voraussetzungen. Dieses Vorhaben ist komplex und anstrengend. Ein Antrieb dieses Forums ist daher jede und jeden dazu zu ermutigen, diese Praxis und ihre Tradition zu entdecken, sich mit diesem Entdecken auseinanderzusetzen und dies wie erwähnt mit anderen zu teilen. Diskussionen und Gespräche sind, sofern sie offen, fruchtbar und frei sein sollen, allerdings gewisse Voraussetzungen gegenüber sich selbst und anderen verpflichtet. Die Gründe und Grenzen dafür finden sich in den Richtlinien.
Diese Plattform ist im Moment noch in einer Entwicklungsphase. Beiträge und konkrete Projektvorhaben folgen.